Trüffelanbau - Ertragsaussichten

Pflanzstrategien – Vorbilder aus der Natur
Reihenabstände, Pflanzabstände, Zusammensetzung der Baumarten und Ausrichtung der Reihen auf flach- bis teilweise sehr flachgründigem Boden über Muschelkalk sind die wichtigsten Parameter dieser natürlichen Truffiere. Hier konnte sich in weniger als einem Jahrzehnt eine Produktivität von 5 bis 6,5 kg Sommer- bzw. Burgundertrüffel pro 100m² einstellen. – Und genau das sollte das Maß für die allerbesten Trüffelanbauer sein.

 

Trüffelanbau – Ertrag/Produktivität einer Stelle
Wie in der Landwirtschaft wird international in der Pilzwirtschaft unter dem Ertrag die „Ernteeinfuhr“ pro Flächeneinheit (= Flächenertrag) verstanden. Üblicherweise wird er auf den Hektar bezogen. Der Hektarertrag gibt also an, welche Menge an Sommer-, Burgunder- Perigord-Trüffel, oder Wintertrüffeln geerntet werden. Gebräuchlich ist auch die Bezeichnung als Produktivität.

Nach Angaben französischer und italienischer Trüffelexperten liegen wünschenswerte Erträge bei  etwa 40kg/ha. (Das wird auf den meisten Plantagen in Frankreich und anderswo allerdings nicht erreicht.) Je nach Einsatz und Können der Trüffelbauern sind in Europa auch Erträge um die 100 kg/ha bekannt. – Dies sollte die Mindest-Zielvorstellung für den Trüffelanbau in Deutschland sein. 

Trüffelanbau – Reifung nicht synchron, sondern sukzessiv
Die Reifung von Pilzen, insbesondere der Trüffeln erfolgt nicht synchron, wie man das von Früchten aus der Landwirtschaft her kennt, sondern sukzessiv. Diese Tatsche erfordert ein konsequentes Umdenken in vielerlei Hinsicht. Da Tuber aestivum von der Primordienbildung (Fruchtkörperansätze) bis zum reifen Fruchtkörper rund 8-10 Monate benötigt kann man sich leicht vorstellen, dass der tatsächliche, örtliche Klimaverlauf (Niederschlagsmengen und deren zeitliche Verteilung, Intensität und Richtung des Windes, Temperaturverlauf, Einfluss der direkten Sonnenstrahlung auf den Boden  usw.) sowie Baumpartnerwahl, Pflanzanordnung und Pflanzdichte einen Einfluss auf die Anzahl einerseits und andererseits auf die Größe der Trüffeln haben.

Trüffelanbau – von natürlichen Standorten für die eigene Kultur lernen
Die hochproduktiven Trüffelstellen in der Natur sind Waldränder mit Altbäumen, aber auch solche als Baumreihen und in Waldspitzen, einzelnstehende Bäume oder Sträucher, sowie Feldgehölze und Jungbaumbestände. Solche Vorkommen beobachten und protokollieren ausgebildete Experten der Forschungsgruppe Hypogäen laufend auf ihre Produktivität mit dem Ziel, konkrete Handlungshinweise für die Installation und Unterhaltung einer Trüffelanlage, sowie die  Optimierung des Trüffelanbaus zu gewinnen.

Beispielhaft und damit wegweisend ist eine Anpflanzung bestehend aus Jung- und Jugendbäumen (MB1 und MB2), die wir seit nunmehr vier Jahren intensiv beobachten.  Hier wurden zunächst Bodenproben genommen, der Boden analysiert sowie umfangreiche ökologische Parameter ermittelt.  Statt auf öffentliche Wetterdaten zurückzugreifen, gehören zu dem Ermittlungen auch eigene Feststellungen bezüglich Niederschlagsmengen und der Niederschlagsverteilung, sowie zum Temperaturverlauf. In einem zeitlichen Ausschnitt zur Produktivität dieser natürlichen Trüffelstelle zeigt die vorstehende Grafik das Trüffelaufkommen im Verlauf eines Kalenderjahres von September 2015 bis September 2016. Abgegrenzt wurde dazu in einem Waldstück eine Untersuchungsfläche von 10m × 10 m = 100 m². Insgesamt erfolgten allein in diesem Zeitraum 29 Begehungen. Die ermittelte Menge belief sich - ähnlich wie im Vorjahr - auf 5829 g. Das Durchschnittsgewicht lag bei 16,8 g pro Trüffel.

 

Resümee
Die besondere Zusammensetzung der ausgewählten Baumarten, Pflanz-  und Reihenabstände,  sowie die Himmelsausrichtung der Reihen scheinen für die Produktivität maßgeblich zu sein. Im Gegensatz zu einzeln stehenden Bäumen oder Baumreihen (jeweils MB4 und  MB5) mit ähnlicher Produktivität scheint diese Anordnung die beste Empfehlung der Natur zu sein, dies durch eine eigene Trüffelanlage nachzubauen.
- Das entspräche einem unglaublichen Hektarertrag von 500 - 650 kg.