Trüffelreisen heisst: Sich schlau machen

Von den Fehlern der Anderen gezielt lernen, dabei das Gute übernehmen und sofort optimieren - das haben uns jahrzehntelang die Japaner vorgemacht...

Weltweit größter Trüffelmarkt in Richerenches
Wer sich fundierte Kenntnisse über Trüffeln und/oder außerdem einen ordentlichen Überblick über die Marktsituation aneignen will kommt nicht umhin, gezielt über den Tellerrand zu schauen.  Dazu bieten sich zunächst unsere Nachbarn in Italien, vor allem Spanien aber allen voran erst einmal Frankreich an. Recht bald fällt einem bei seinen gezielten Recherchen auf, dass in Richerenches in der Provence in Frankreich der wohl weltweit größte Trüffelmarkt angesiedelt ist. Diese kleine Gemeinde mit nur knapp 650 Einwohnern liegt mitten in der Provence unweit von Valreas und etwa 30 km NO von Orange. Die Satellitenaufnahmen (siehe weiter unten auf youtube) deuten schon an, dass dieser Ort von unendlich vielen kleinen Trüffelplantage und Weinfeldern umgeben ist. Das muss man - nicht nur als Trüffelfreund - einfach erlebt haben!

1000 kg Trüffeln in drei Stunden
Zur Saison der Perigord-Trüffel (eine von mehreren schwarzen Trüffelarten) von etwa Mitte November bis Mitte März steht dieser kleine Ort im Fokus des internationalen Trüffelhandels. Jeden Samstag findet in diesem Zeitraum der traditionelle Trüffelmarkt statt. Nicht irgendwo in Richerenches, sondern auf der „Avenue de la Rabasse“.  Auf Deutsch: Straße der Trüffeln. Der Trüffelmarkt öffnet offiziell um 10:00 Uhr und geht bis etwa 13:00 Uhr. Wer jedoch Geschäftsverbindungen anbahnen möchte sollte, sich dort bereits ab 9:00 Uhr einfinden. Bis dahin haben die Großhändler in einem der kleinen Restaurants sich auf die Tagespreise geeinigt. Die Einzelhändler dagegen haben zum Teil ihre eigenen Preise.

Frische Trüffeln, Trüffelprodukte und ein Trüffelmuseum
Bei den Einzelhändlern handelt es sich vorwiegend um Plantagenbesitzer, die anstatt an den Großhandel zu verkaufen, hier  ihre Produkte selbst und direkt anbieten. Da rund 90 % der angebotenen Trüffeln nicht aus wildwachsenden Beständen, sondern von Plantagen kommen, hat man hier in der Hochburg die Möglichkeit, mit Trüffeln mykorrhizierten Bäumchen zu kaufen. Allerdings muss dringend darauf aufmerksam gemacht werden, dass dort nicht nur sorgfältig mykorrhizierter Ware angeboten wird. Wer vom Markt preiswert ein paar Bäumchen mit nach Deutschland nehmen möchte, sollte sich die "ordnungsgemäße" Mykorrhizierung im Bereich der Feinwurzeln von den Händlern zeigen lassen und dann mit anderen Händlern vergleichen. Neben der weltweit bekannten , nach Güteklassen sortierten Perigord-Trüffel (Tuber melanosporum) bieten die Händler auch die Wintertrüffel (Tuber brumale) an. Zusätzlich gibt es Verkaufsstände mit Nebenprodukten und Trüffelderivaten wie  Trüffelöl, Trüffelbutter, Trüffelkäse, Trüffelhonig, Wurstwaren mit Trüffel, Trüffelnudeln, Trüffelchips und viele andere Produkte mehr.  Trüffelanhänger, manchmal auch Trüffelliteratur, hin und wieder sogar Trüffelhunde, erlesene Weine, Austern, Spezialwerkzeuge zum Bergen der Trüffeln, Trüffelbürsten, Trüffelmesser usw. Im „Cellier des Templiers“ befindet sich ein kleines aber inzwischen modernisiertes Trüffelmuseum. Hier werden die wesentlichen Informationen zum Trüffelanbau von der Spore bis zur Trüffelernte reichlich bebildert dargestellt und erläutert. Es fehlt auch nicht an Hinweisen zur Trüffelsuche.

Einmal Trüffeln probieren
In fünf kleinen Lokalen (das sind in der Saison auch dazu umgebaute Garagen) besteht die Möglichkeit zur Mittagszeit ein kleines oder größeres Trüffelmenue zu probieren. Dazu sollte man sich nicht erst zur Mittagszeit entscheiden, sondern beim ersten Rundgang sein Lokal aussuchen und einen Tisch reservieren. Immerhin kommen an so einem Tag innerhalb von drei Stunden etwa 3500 – 5000 Besucher! Das merkt man, wenn der Zeiger der Uhr sich der 11 nähert.

Vorbereitung für diese Besichtigungstour
Sie haben mehr vom Besuch dieses Trüffelmarktes, wenn sie sich zuvor ein kleines Konzept wie eine Einkaufsliste zurechtlegen. Darauf sollte stehen, was sie sich überhaupt ansehen, fotografieren oder filmen, aber auch was Sie kaufen wollen. Vergessen Sie nicht genug Geld einzustecken, denn die Bezahlung erfolgt durchweg nur in bar.

Unterkünfte/Hotels
Die gibt es nicht nur direkt im Ort, sondern auch in den umliegenden Ortschaften wie etwa Visan oder Valreas. Zu überlegen wäre auch, sich stattdessen auf einen der Gutshöfe/Domänen einzunisten. Einige Weingutbesitzer bieten die Möglichkeit, bei der Trüffelsuche einmal zuzuschauen. Denkbar ist auch selbst mit Hund und  vorheriger Erlaubnis (!) des Besitzers auf einer Plantage nach Trüffeln zu suchen. (Siehe Zeitungsausschnitt weiter unten)

Trüffelbauer verteidigt Ernte mit Pump-Gun

Rambaud ist bei seinem Kontrollgang nicht weit von seinem Haus, als er im Schutze der Dunkelheit die Umrisse eines schwarz gekleideten, korpulenten Mannes und seines Hundes erblickt. Er reagiert sofort und drückt den Abzug seines Gewehrs. Zuerst zielt er auf die Beine, dann trifft ein zweiter, tödlicher Schuss den Kopf der dunklen Gestalt.

Bei dem mutmaßlichen Trüffeldieb handelt es sich um Ernest Prado, einen 43 Jahre alten Sanitäter. Der Mann, der eine Frau und zwei Mädchen im Alter von vier und zwölf Jahren hinterlässt, ist der Polizei kein Unbekannter. Er war wegen Autodiebstählen mit dem Gesetz in Konflikt geraten - aber das ist mehr als 15 Jahre her. Nun liegt er tot auf dem Acker, abgeknallt wie ein Karnickel.

Der Todesschütze wird später zu Protokoll geben, dass er "aus Angst" geschossen habe. Sein Vater, der unmittelbar vor der Polizei als Erster am Tatort eintrifft, versucht den Sohn zu entlasten, indem er die Tatwaffe, eine nicht zugelassene Pump-Gun, durch eine Jagdflinte austauscht. Doch die Manipulation fliegt auf. Erschwerend kommt für den Schützen hinzu, dass der mutmaßliche Trüffeldieb unbewaffnet war. Er trug lediglich eine Hacke bei sich, außerdem finden die Ermittler in seinem in der Nähe abgestellten Auto vier Trüffelknollen.

Trüffelparadies kommt nicht zur Ruhe
Die Ermittler werfen dem Landwirt vor, den Mann vorsätzlich getötet zu haben. "Wer eine Schusswaffe mit sich führt, hat auch die Absicht, davon Gebrauch zu machen", sagt Gilbert Emery, der Staatsanwalt von Valence. Seit dem Todesschuss kommt die Region nicht zur Ruhe. Zunächst ziehen 250 aufgebrachte Bauern durch die Straßen von Grignan, um den Trüffelklau anzuprangern. Danach ziehen noch einmal 200 Demonstranten, allesamt Sympathisanten des Todesschützen, zum Justizpalast von Valence.

An Heiligabend schließlich folgt die nächste Kundgebung - diesmal ist es ein Trauermarsch für Ernest Pardo. 200 Menschen ziehen schweigend durch die Straßen von Saint-Paul-Trois-Ch×teaux, wo das Opfer lebte. "Néné", wie sie ihn hier nennen, beschreiben sie als "charmant, großzügig und jederzeit hilfsbereit". "Ernest wurde ermordet", klagt Marie-Pierre Combal, seine Lebensgefährtin, an. "Er ist das Opfer." Den Preis, den er gezahlt hat, um an den teuren Pilz zu kommen, ist auf jeden Fall zu hoch. Quelle: Schwarzwälder Bote (Januar 2011)